Die Keynes-Gesellschaft
Die Keynes-Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Diskussion und die Verbreitung der wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnisse von John Maynard Keynes, dem bedeutendsten Ökonom des 20. Jahrhunderts, der von 1883 - 1946 lebte, sowie der darauf aufbauenden Theorien zu fördern.
Ihr wichtigstes Instrument dafür ist ihr Informationsangebot im Internet. Informationen über Keynes und seine Theorien sind insbesondere für die nachwachsenden Studentengenerationen dringend notwendig, weil in den Lehrbüchern und in der Lehre an vielen - vor allem deutschsprachigen - Universitäten die keynesianische Ökonomie und die Ökonomie von Keynes nur sehr stiefmütterlich behandelt werden. Daher ist die Theorie von Keynes inzwischen keineswegs jedem Absolventen einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät vertraut, zumal sie in den meisten Lehrbüchern der Volkswirtschaftslehre verwässert oder verfälscht dargestellt wird. Sie scheint dort irrigerweise eine spezielle Theorie zu sein, die nur für tiefe Depressionen oder nur in der sehr kurzen Frist gültig ist. Aus diesen Gründen wollen wir allen Interessierten - besonders natürlich den Studierenden über das Internet einen Zugang zu Keynes eröffnen, damit sie sich selbst ein Urteil bilden können.
An der Erstellung der Texte haben sich mehrere Autoren beteiligt. Die Texte, die nicht namentlich gekennzeichnet sind, stammen vom Vorsitzenden der Gesellschaft.
Warum ist Keynes so wichtig?
Die meisten Industriestaaten erleben seit 30 Jahren immer wieder lange Perioden mit einer dauerhaft hohen Arbeitslosigkeit bei schwachem Wirtschaftswachstum und außerdem heftige Krisen (wie die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise), vom denen sie sich meist nur langsam und zögernd erholen. Wie schon in der Weltwirtschaftskrise ab 1929 ertönt vielfach der Ruf nach Lohn- und Preissenkungen sowie nach Kürzungen bei den Sozialtransfers. Offenbar sind trotz der schlechten damaligen Erfahrungen mit solchen Maßnahmen die theoretischen Erkenntnisse von Keynes und die darauf aufbauende wirtschaftspolitische Botschaft weithin verdrängt oder in Vergessenheit geraten. Keynes’ Botschaft besagt im Kern: Für eine Wiedergewinnung hoher Beschäftigung ist eine entsprechend hohe Güternachfrage erforderlich. Eine Senkung von Preisen und Löhnen ist dagegen der falsche Weg; denn die Erwartung, dadurch entstünde zusätzliches Angebot und dieses schaffe sich gemäß Say’schem Gesetz seine Nachfrage, ist für eine Geldwirtschaft irreführend. Vielmehr kann das Wirtschaftssystem in einem Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung verharren, wenn es nicht gelingt, das Gesamtniveau der von den Unternehmen erwarteten Güternachfrage zu erhöhen.
Bis zur aktuellen Finanzkrise war es insbesondere in Deutschland in wirtschaftspolitischen Debatten weithin verpönt, Argumentationslinien mit einem Verweis auf Keynes zu stützen, da sein Name fälschlich mit augenfälligen Misserfolgen der Wirtschaftspolitik in Verbindung gebracht wird. So ist es der Bundesregierung zwar gelungen, dir Rezession 1967/68 durch zwei kreditfinanzierte Konjunkturprogramme erfolgreich zu bekämpfen, sie hatte aber nicht die politische Kraft, die anschließend stark ansteigenden Steuereinnahmen zur Schuldentilgung zu verwenden. Dieses wirtschaftspolitische Fehlverhalten wurde vielfach ebenso als Defizit der Keynes’schen Theorie interpretiert wie die Inflationsschübe nach dem 1. und 2. Ölpreisschock (1973 und 1979). Auch hier wurde nicht zwischen dieser Theorie und ihrer wirtschaftspolitischen Anwendung (die nicht immer glücklich war) unterschieden. Dabei hat sich Keynes zeitlebens mit dem Inflationsproblem befasst. Inflation war nie ein Ausweg für Keynes; Keynes war kein Inflationist.
Auch Phasen erfolgreicher keynesianisch inspirierter Makropolitik im Ausland, insbesondere in den USA und Großbritanniens, wurden hartnäckig ignoriert.
Stattdessen dominiert in der Wirtschaftswissenschaft (insbesondere in Deutschland) eine neoklassisch fundierte Sicht der Dinge, die von den tatsächlichen Bedingungen des wirtschaftlichen Lebens (Unsicherheit der Zukunft, mangelhafte Koordinierung der Entscheidungen über Investitionen und Sparen, Abwesenheit vollständiger Konkurrenz usw.) abstrahiert.
Angestrebt ist auch, andere große Nationalökonomen zu präsentieren, die sich im (frühen) 20. Jahrhundert mit Keynes auseinander gesetzt haben, insb. Pigou (1877-1959), Schumpeter (1883-1950), Hayek (1899-1992) und Friedman (1912-2007). Ihre Namen sind im politisch-wissenschaftlichen Diskurs häufig positiv besetzt, obwohl (oder vielleicht gerade weil?) sich ihr Werk keineswegs durch eine konsistente und erfolgreich umgesetzte Theorie-Praxis-Symbiose auszeichnet. Ihre Lehren sind entweder komplementär zu Keynes oder sie gelten nur für Situationen in der Nähe der Vollbeschäftigung.
Praktische Hinweise:
Nähere Informationen über die Keynes-Gesellschaft und wie man ihr beitreten kann finden sie in den Rubriken, die rechts von diesem Text angezeigt werden.
Anregungen von Nutzern erbitten wir unter unserer e-mail-Adresse (s. Kontakt)
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