Aktuelles

II Gesteigertes Interesse an Keynes‘ Theorie und an deren wirtschaftspolitischen Konsequenzen

Durch die Finanzkrise, die drohende tiefe Rezession und die staatlichen Gegenmaßnahmen (insbesondere die Konjunkturprogramme) ist der Name und die Theorie von Keynes in die wirtschaftspolitische Diskussion zurückgekehrt.


1. Niederschlag in den Zeitungen

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2. Niederschlag in neuen wissenschaftlichen Publikationen

2.1 Neue Publikationen zu Keynes’ Theorie und zu aktuellen wirtschaftspolitischen Fragen aus keynesianischer Sicht.

Gustav Horn, Des Reichtums fette Beute. Wie die Ungleichheit unser Land ruiniert. Frankfurt/New York (Campus) 2011. In diesem Buch zeigt Horn, wie die seit langem ständig zunehmende Ungleichheit in der Einkommen- und Vermögensverteilung nicht nur den sozialen Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft gefährdet, sondern durch das Zurückbleiben der Massenkaufkraft die Binnennachfrage schwächt, mit der Folge, dass in Deutschland die Wirtschaft langsamer wächst als in fast allen Industriestaaten. Gleichzeitig bringt dies zunehmende Salden in den Leistungsbilanzen hervor: Riesige Überschüsse in Deutschland, entsprechende (spiegelbildliche) Defizite vieler anderer Staaten, insbesondere im Euro-Raum, die die gemeinsame europäische Projekt gefährden und zu sprengen drohen.

Geoff Tily hat 2010 sein 2007 erschienenes Buch „Keynes‘ General Theory, the Rate of Interest and Keynesian Economics“ unter dem verschärften Ober-Titel „Keynes Betrayed“ als Paperback im Palgrave Macmillan neu veröffentlicht. Tily betont, dass für Keynes das Geld und die Geldpolitik im Mittelpunkt gestanden haben (wofür auch der volle Titel der „General Theory“ spricht). Er habe durch gute Geldpolitik verhindern wollen, dass Krisen überhaupt entstehen. Tily kritisiert diejenigen „Keynesianer“, die seine Botschaft auf diese Fiskalpolitik reduzieren, als „Verräter“ der Keynes’schen Theorie. Dies erinnert daran, dass schon 1968 Axel Leijonhufvud mit seinen Buch „On Keynesian Economics and the Economics of Keynes“, das die Differenzen zwischen Keynes und vielen derer, die sich Keynesianer nennen, betonte, große Aufmerksamkeit fand. Tily erwähnt dieses Buch jedoch nur am Rande.

Robert Skidelsky, Die Rückkehr des Meisters. Keynes für 21. Jahrhundert. München (Kunstmann-Verlag) 2010. Der pragmatische Titel zeigt die Zielsetzung des Buches, das von dem bekanntesten Biographen von John Maynard Keynes verfasst wurde und aufzeigt, wie wichtig die Lehren von Keynes für die Bewältigung der aktuellen (und kommenden) wirtschaftspolitischen Probleme der Industriegesellschaften sind.

Sebastian Dullien/ Hansjörg Herr/ Christian Kellermann. Der gute Kapitalismus – und was sich dafür nach der Krise ändern müsste (Regensburg, transcript-Verlag, 2009). Die Autoren gehen von der These aus, dass der Kapitalismus in der Finanzkrise (und vorher) sein böses Gesicht gezeigt hat, vor allem, weil die Finanzmärkte sich viel zu sehr von der Realwirtschaft entfernt haben und ihre eigentliche Aufgabe, dort Sachinvestitionen zu finanzieren, in den Hintergrund getreten ist. Falls es gelingt, die Finanzmärkte zu zähmen und gleichzeitig eine kontinuierliche Nachfragentwicklung zu erreichen, dann könnte der Kapitalismus wieder sein gutes Gesicht zeigen. Voraussetzung dafür ist vor allem eine Korrektur der Tendenz zu einer immer größeren Spreizung der Einkommen, damit aus steigenden Masseneinkommen steigende Nachfrage resultieren kann.

George Akerlof, Robert Shiller: „Animal Spirits. Wie die Weltwirtschaft wirklich funktioniert“. Aus dem Englischen übersetzt von Ute Gräbner-Seißinger, Ingrid Proß-Gill und Doris Gertner. Frankfurt (Campus Verlag) 2009. Die Autoren greifen Keynes’ Betonung der “Annimal Spirits” (der seelisch-geistigen Kräfte) für das menschliche und insbesondere das unternehmerische Handeln auf und zeigen, dass die Wirtschaft anders funktioniert, als die neoklassische Gleichgewichtstheorie suggeriert. Allerdings greifen sie für ihre anschließende makroökonomische Analyse dann doch auf diese Modellwelt zurück.

Jörg Bibow, „Keynes on Monetary Policy, Finance and Uncertainty. Liquidity Preference Theory and the Global Financial Crisis“. Routledge History Taylor&Francis Group, 2009.

Peter Bofinger, "Ist der Markt noch zu retten? Warum wir jetzt einen starken Staat brauchen". Berlin (Econ) 2009. In diesem Buch analysiert Bofinger die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise und die Wege zu ihrer Überwindung aus keynesianischer Sicht und verbindet diese mit einem Rückgriff auf die soziale Marktwirtschaft und der Forderung von Ludwig Erhard nach "Wohlstand für Alle".


Das neue Buch von Paul Krugman "Die Neue Weltwirtschaftskrise" (Campus Verlag, Frankfurt, New York 2009) analysiert die aktuelle Krise und die Möglichkeiten ihrer Bekämpfung ganz im Keynes'schen Geiste.

Axel Leijonhufvud,
„Out of the corridor: Keynes and the crisis“. Cambridge Journal of Economics, Vol. 33, 2009, S. 741-757. (hierbei handelt sich um ein Sonderheft zur Finanzkrise)


2.2 Zum Leben und Werk von Keynes sind zwei neue, relativ kurze Bücher erschienen:

Braunberger, Gerald: Keynes für Jedermann. Die Renaissance des Krisenökonomen. Frankfurt (Frankfurter Allgemeine Buch) 2009.

Blomert, Reinhard, John Maynard Keynes. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt Taschenbuch-Verlag) 2007.


2.3 Neuauflagen und Übersetzungen von Keynes‘ Werken

John Maynard Keynes, "Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes". Dank der gestiegenen Nachfrage ist im Herbst 2009 eine erneut überarbeitete deutsche Fassung dieses Hauptwerks in der Übersetzung von Fritz Waeger, verbessert und um eine Erläuterung des Aufbaus ergänzt von Jürgen Kromphardt und Stephanie Schneider, bei Duncker&Humblot (Berlin) erschienen.

John Maynard Keynes, On Air. Der Weltökonom am Mikrofon der BBC. Hamburg (Murmann Verlag) 2008.

John Maynard Keynes, Das Ende des Laissez-Faire. Berlin (Duncker & Humblot) 2011.



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