Biographien über Keynes’ Leben und Werk
Über das Leben von Keynes und sein Lebenswerk sind mehrere Biographien geschrieben worden, die sein Leben und Werk als Einheit behandeln. Ihr Umfang ist sehr unterschiedlich.
1. Für den Einstieg seien zunächst einige kürzere Darstellungen genannt:
a) Blomert, Reinhard: John Maynard Keynes, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt-Verlag) 2007. Auf rund 140 Seiten berichtet Bohmert knapp und anschaulich über das vielseitige Leben und Werk angereichert durch einige Photographien.
b) Etwas umfangreicher (183 Seiten) und stärker auf Keynes‘ Theorien bezogen ist: Willke, Gerhard: John Maynard Keynes. Frankfurt (Campus)
c) Eine etwas kürzere, ziemlich enthusiastische Darstellung von Keynes' Leben und Werk findet man auf ungefähr 40 Seiten in dem Abschnitt IX "The Heresies of John Maynard Keynes" des Buches von Robert Heilbroner: The Wordly Philosophers: The Lives, Times, and Ideas of the Great Economic Thinkers. Von diesem Buch ist die 6. Auflage 1999 als Taschenbuch erschienen (Touchstone Books).
d) Eine weitere sehr lesenswerte Darstellung bietet:
Mark Blaug: John Maynard Keynes: Life, Ideas, Legacy, Basingstoke und London (Macmillan), 1990. Dieser schmale Band (ca. 90 Seiten) enthält neben den Abschnitten “Life”, “The Ideas” und „The Keynesian Revolution“ einen langen, höchst interessanten Abschnitt „The Legacy: Talking to Leading Economists about Keynes“, in dem Blaug Interviews mit herausragenden Ökonomen wie Samuelson, Friedman und Frank Hahn wiedergibt. Außerdem sind in dem Band einige gelungene Karikaturen und Photos abgedruckt und bietet überwiegend eine sehr anschauliche Lektüre.
2. Die beiden wichtigsten und ausführlichsten Biographien stammen von:
a) Moggridge, Donald (1992), Maynard Keynes. An Economists’ Biography. London (Routledge).
Die Biographie von Moggridge ist mit 837 Seiten plus Registeranhänge sehr umfangreich berichtet auch über das private Leben von Keynes ausführlich. Moggridge ist zugleich einer der profundesten Kenner des Werkes von Keynes. Er hat zusammen mit Austin Robinson „The Collected Writings of John Maynard Keynes“ in 30 Bänden von 1971 bis 1989 herausgegeben, davon viele Bände als Alleinherausgeber.
b) Skidelsky, Robert: John Maynard Keynes, A Biography. London (Macmillan). In 3 Bänden (1983-2000 erschienen) mit ca. 1.800 Seiten, (auch als Paperback erhältlich), ist sie die umfangreichste.
Mit den Biographien von Moggridge und Skidelsky (nur Band 1 und 2) setzt sich Mark Blaug in seiner Buchbesprechung „Recent Biographies of Keynes“ (Journal of Economic Literature, Vol. 32, 1994, S.1204- 1215) ausführlich auseinander.
Einen weiteren Besprechungsaufsatz hat (ebenfalls 1994) Sidney Pollard über die Biographien von Moggridge und Skidelsky geschrieben, in dem man wichtige und aufschlussreiche Betrachtungen über Keynes’ Charakter und Werk lesen kann (New Light on an Old Master. The Economic Journal, Vol. 104, 1994, S. 138-153).
Skidelsky’s Darstellung der Jahre 1937-1946 in Band 3 seiner Biographie (John Maynard Keynes 1937-1946: Fighting for Britain, London, Macmillan, 2000) wird ausführlich in einem Besprechungsaufsatz von David Vines mit dem Titel „John Maynard Keynes 1937-1946: The Creation of International Macroeconomics’“ (The Economic Journal, Vol. 113, 2003, S.F338-F361) gewürdigt. Vines wendet sich gegen den Tenor der Biographie von Skidelsky, Keynes darzustellen „as the war hero who lost the financial war against the U.S.“. Dabei würden die Verdienste von Keynes bei der Herausarbeitung einer internationalen Makroökonomie, die Vines ausführlich belegt, zu wenig gewürdigt.
3. Zwei ältere Biographien stammen von:
Harrod, Roy (1951), The Life of John Maynard Keynes. London (Macmillan)
Harrod und Keynes haben jahrzehntelang zusammengearbeitet und diskutiert.
Harris, Seymour (1955), John Maynard Keynes. New York (Skribner)
4. Nicht zu empfehlen ist eine weitere Biographie:
Hession, C.H. (1983), John Maynard Keynes: A Personal Biography of the Man Who Revolutionized Capitalism and the Way we Live. New York (Macmillan)
Mark Blaug sagt in seinem in Abschnitt 2 zitierten Aufsatz, dieses Buch sei voller falscher Behauptungen über eigentlich unstrittige Fakten, sodass es für seriöse Historiker ausscheide.
5. Das ungebrochene Interesse an der Persönlichkeit und dem Lebenswerk von Keynes schlägt sich in immer neuen Publikationen nieder.
a) 2006 erschien der von Roger Backhaus/Bradley Batmann herausgegebene “Cambridge Companion to Keynes” (Cambridge, University Press) mit 15 Aufsätzen, die sich mit den unterschiedlichsten Aspekten von Keynes’ Leben und Werk sowie seinen Auswirkungen beschäftigen.
b) Nur ein Jahr älter ist das Buch von Bruno Ventelou: Millennial Keynes. An Introduction to the Origin, Development, and Later Currents of Keynesian Thought. Übersetzt aus dem Französischen (Lire Keynes et le comprendre) Armonk/NY (M.E.Sharpe) 2005.
Auffallend an diesem Buch ist:
Ein polemisches Anti-Bush-Vorwort von Gregory Nowell
Seine weit ausholende Darstellung (einschließlich Treatise on Probability!)
Falsche Aussagen zur "General Theory". So behauptet der Autor (S. 140f): Voraussetzung der Analyse von Keynes seien rigide Löhne
Insgesamt ist das Buch daher weniger empfehlenswert
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