Zur Relevanz von Angebot und Nachfrage
Einleitung
Die Weltwirtschaftskrise wurde vom Börsenkrach des Oktober 1929 ausgelöst, der sehr rasch die Investitionstätigkeit der Unternehmen dramatisch beeinträchtigte und einen Multiplikatorprozess nach unten in Gang setzte. Im Verlauf der Krise sanken Löhne und Preise, aber ähnlich stark sanken Produktion und Beschäftigung, und die Arbeitslosigkeit stieg drastisch (s. ‚Weltwirtschaftskrise’ in der Rubrik ‚The General Theory’).
Keynes erkannte, dass der Zusammenbruch der Güternachfrage der Schlüssel zum Verständnis dieser Entwicklung war (s. ‚The General Theory’). Daher rückte er in seiner Analyse die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in den Vordergrund. Gleichzeitig verwendete er auch eine gesamtwirtschaftliche Angebotsfunktion. Für ihn waren Angebot und Nachfrage wichtig; denn das wirtschaftliche Geschehen wird auf allen Märkten von Angebot und Nachfrage bestimmt. Das gilt einzel- und gesamtwirtschaftlich.
Richtig ist, dass in der Weiterentwicklung der Theorie von Keynes die Nachfrageseite wesentlich mehr Aufmerksamkeit fand als die Angebotsseite. Später, als insbesondere durch die beiden Ölpreisschocks von 1973 und 1979 die Probleme auf der Angebotsseite stärker ins Blickfeld rückten, forderten viele Ökonomen zu Recht, der Angebotsseite auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ein größeres Gewicht zu geben. Darüber hinaus traten jedoch ‚Angebotsökonomen’ auf den Plan, die der Nachfrageseite und vor allem der Nachfragesteuerung jede Bedeutung absprachen.
Diese Position hatte zeitweise einen sehr starken Einfluss in der wirtschaftspolitischen Diskussion und hat sie in Deutschland auch heute noch, obwohl ihre theoretische Begründung sehr schwach und ihre wirtschaftspolitischen Erfolge mäßig sind, wie in Teil A kritisch beleuchtet wird. Die Nachfrageseite sollte offensichtlich nicht vernachlässigt werden. So gibt es inzwischen zumindest im Ausland immer mehr Ökonomen, die dazu aufrufen, beide Seiten (Angebot und Nachfrage) zu beachten. Allerdings hinkt die deutsche Diskussion noch deutlich hinter dieser Entwicklung her (Teil B).
A. Zum Alleinvertretungsanspruch vieler Angebotsökonomen
I. Zur angeblichen Wirkungslosigkeit nachfragepolitischer Maßnahmen
II. Begründung der Irrelevanz der Nachfrageseite - das Beispiel des Sachverständigenrates
III. Die wirtschaftspolitische Umsetzung der Angebotsökonomie und deren Ergebnisse
B. Zur Notwendigkeit, Angebot und Nachfrage zu berücksichtigen