Aufsätze zur Aktualität von Keynes

Neuere Aufsätze und Aufrufe

Die wichtigsten Aufsätze und Aufrufe internationaler renommierter Ökonomen für eine Politik, die auch die Nachfrageseite und damit die keynesianische Kreislaufanalysen berücksichtigen, finden Sie in der Rubrik „Zur Relevanz von Angebot und Nachfrage“. Hinzukommen sind in jüngerer Zeit:

1. Die „Presidential Adress“ von George Akerlof

Weltweites Aufsehen erregte in der Wirtschaftwissenschaft jüngst die „Presidential Adress“ des Vorsitzenden der „American Economic Association“, George Akerlof, auf der Jahrestagung dieser Gesellschaft. Diese Rede liegt inzwischen gedruckt vor („American Economic Review“, Vol. 97, 2007, S. 5-36). Sie trägt den zurückhaltenden Titel „The Missing Motivation in Macroeconomics“. In seinem Beitrag zeigt Akerlof, dass fünf zentrale Postulate der nichtkeynesianischen „mainstream economics“ nur Bestand haben, wenn man die Präferenzen der Entscheidungsträger (Unternehmen und Haushalte) sehr eng definiert und wichtige Elemente ihrer Motivation außer Acht lässt. Akerlof bezieht sich dabei auf Wertvorstellungen und Normen, an denen sich Konsumenten und Investoren orientieren, die aber in den auf eng definierte ökonomische Argumente beschränkten Nutzenfunktionen des Mainstream nicht aufzutauchen pflegen.

Akerlof zieht dann realistische Wertvorstellungen und Normen in die Analyse ein; er zeigt, dass man dann zu makroökonomischen Aussagen gelangt, die wichtige Reste frühen keynesianischen Denkens enthalten, und dass fünf zentrale Neutralitätspostulate des Mainstream nicht haltbar sind (S. 6/7):

• A realistic norm regarding consumption behaviour will make consumption directly dependent on current income, in violation of the neutrality of consumption given wealth;

• A realistic norm will make investment directly dependent on cash flow, in violation of Modigliani-Miller;

• A realistic norm will make wages and prices dependent on nominal considerations and thus violate natural rate theory;

• A realistic norm will make income and employment dependent on systematic monetary policy, and thus violate rational expectations theory; and

• A realistic norm will make current consumption dependent on the current generation’s social security receipts, in violation of Ricardian equivalence.

Akerlof zieht daraus den Schluss, dass die frühen Keynesianer einen großen Teil des Wirkens des ökonomischen Systems richtig erfasst haben, in einer Weise, die von den fünf Neutralitätspostulaten geleugnet wird.

In der Zeitschrift „Challenge“ (im Juli/August-Heft 2007,50.Jahrgang, S.5-16) hat Akerlof seine Thesen für ein breites Publikum in einem Interview erläutert. Das Interview ist überschrieben: „A New Case for Keynesianism“.

Die letzte Frage-Antwort-Sequenz lautet:

Frage: In sum, then?

Antwort: The Keynesians basically got it right.

2. Ein Aufruf, unterzeichnet von Gerhard Illing (München), Robert Solow (MIT) Paul de Grauwe (Leuven) plädiert für eine aktive nationale, am besten europaweit koordinierte Fiskalpolitik im Euroraum, da eine nationale Geldpolitik nicht mehr zur Verfügung. Der Aufruf (im Internet: http://www.sfm.vwl.uni-muenchen.de/makropolitik/makropolitik.pdf ) kritisiert die von europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt geforderte Haushaltsdisziplin als „von Prinzip her fehlerhaft und auch in der Anwendung kontraproduktiv“. Die Unterzeichner lehnen diesen „Frankfurt-Brüssel-Konsens“ nachdrücklich ab.

3. Der US-amerikanische Ökonom Paul Krugman hat wiederholt die Relevanz keynesianischer Analysen unterstrichen. Zwei Texte von ihm hat die Keynes-Gesellschaft ins Deutsche übersetzen lassen und stellt sie hier zur Verfügung:

a) Die „Ökonomie des Baby-Sitting“ hat Krugman im Jahre 1998 ins Netz gestellt. Mit ihr verdeutlicht Krugman die folgende Grunderkenntnis der keynesianischen Kreislaufanalyse: Ein Haushalt oder ein Unternehmen kann nur Einnahmen erzielen, wenn andere Haushalte oder Unternehmen Ausgaben tätigen; Einnahmen der einen entstehen durch Ausgaben anderer.

b) Im Jahre 2006/07 hat Krugman eine US-Amerikanische Neuausgabe der „General Theory“ von Keynes im Verlag von Palgrave-Macmillan mit einer längeren neuen Einleitung versehen, in der er zustimmend den Kern dieser Theorie und deren wirtschaftpolitische Botschaft herausarbeitet.

Beide Texte sind als Unterrubriken nachstehend abgedruckt.